Die Serie Göttinnen von Dakar entstand direkt nach meiner Reise in den Senegal im Jahr 2005. Zusammen mit meiner Schwester Katja, die sich als Botschafterin für Unicef im Senegal engagierte, konnte ich den Menschen relativ nah kommen. Es war eine so reiche, bunte, intensive, beeindruckende Erfahrung, die mich lange nicht mehr los ließ, ich malte etwa 40 Bilder und auch jetzt -10 Jahre nach dieser Reise- hallen die Eindrücke immer noch nach. An das starke, wertschätzende, ungebrochene und auch irgendwie zufriedene Lebensgefühl trotz einfacher Lebensumstände, das ich von den Menschen im Senegal zu spüren bekam, erinnere ich mich immer wieder gern – und es stärkt auch mich.

So habe ich nun in dem Sinn meine Serie starker Frauen ein wenig erweitert  -es sind neue Bilder mit ein wenig veränderter Sichtweise entstanden-  und zeige sie in den Räumen von Sam Nok  vom 07. Juni bis zum 18. Juli 2015. Es ist ein Ausstellungsort, der das Fremde nah präsentiert und insofern passt gerade diese Serie gut dort hinein.

Kulturscreen_Samnok

 

Die Geschichte wie meine Serie entstand

„Man weiß nicht, aus welcher Hütte vielleicht die eine oder andere gekommen ist – aber hier sind sie die schönsten Göttinnen der Welt“, sagte meine Schwester Katja, als wir 2005 in Dakar das Konzert von Youssou N’Dour besuchten. Es waren fast nur Frauen gekommen – hunderte großer, afrikanischer Frauen, gekleidet in den schönsten und buntesten Boubous der Welt, mit kunstvoll gebundenen Turbanen aus Seide oder langen Extentions in den Haaren. Wir Fünf aus der Unicef-Gruppe waren die einzigen Weißen und wurden nicht beachtet.

Alle im voll besetzten Theatersaal mussten 3 Stunden warten, bis das Konzert begann, weil es „einen elektrischen Fehler bei der Anlage gab“. Diese Zeit nutzten die Frauen, um sich zu mit erhobenem Haupt und anmutigen Bewegungen zu zeigen, vor der Bühne elegant zu tanzen oder auch gospelartig Gesänge anzustimmen. Es gab überhaupt keine Anzeichen von Unmut, sondern ein kreatives Annehmen der Situation.

Die Atmosphäre nahm mich absolut gefangen: Ich war total aufgeregt, fotografierte heimlich oder machte Skizzen von meinem Sitzplatz aus. Als ich aus meiner Reihe heraus wollte und es meiner sehr großen, starken Sitznachbarin mitteilte, machte sie keine Anstalten meinem Wunsch zu entsprechen. Sie hatte keine Lust dazu und zeigte es deutlich, indem sie weiterhin geradeaus zur leeren Bühne schaute. Erst nach einigen Minuten signalisierte sie per Handzeichen, aber ohne Blickkontakt, dass ich über sie hinweg steigen möge… Ich kletterte also auf ihren Schoß, dann auf ihre andere Seite und empfing dabei von dieser statisch sitzenden Frau deutlich das Signal, dass ja schließlich ich den Wunsch hatte aufzustehen, also habe ich mich auch allein anzustrengen.

Das war beeindruckend – und so entstand meine Serie Die Göttinnen von Dakar.

10 Jahre später -2015- nahm ich die Göttinnen von Dakar noch einmal auf. Ein Teil der Arbeiten wird bei Sam Nok in einem Ambiente und Räumlichkeiten gezeigt, in denen das Fremde nah erscheint… eine sehr passende Atmosphäre.

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Ausstellung Susanne Riemann Göttinnen von Dakar bei Sam Nok vom 07. Juni bis zum 18. Juli 2015

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